03.02.2025Logistik & Supply Chain

Mehr Verkehr auf die Schiene bringen – Infrastruktur und Finanzierung sind entscheidende Hebel

Wie die Schiene zum Erfolgsfaktor für Klimaschutz und Konsum werden kann, diskutierten die Teilnehmenden beim 18. BME-/VDV-Forum Schienengüterverkehr (29.-30. Januar 2025) in Berlin.
© Tanja Marotzke, BME

Wie können Unternehmen mehr Verkehr auf die Schiene bringen? Welche politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen müsse dafür geschaffen werden? Diese Fragen standen im Fokus des 18. BME-/VDV-Forum Schienengüterverkehr in Berlin. Die Veranstaltung wurde gemeinsam vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) und dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) durchgeführt. 

Einig waren sich die Referierenden, dass die von der Bundesregierung ausgegebenen Klimaziele nicht ohne eine Verlagerung von mehr Güterverkehr auf die Schiene zu erreichen sind. Dazu bedürfe es aber eines massiven Ausbaus der Infrastruktur. Die Realität sieht derzeit anders aus – statt einem Ausbau werden zahlreiche Gleisanschlüsse aus Kostengründen stillgelegt. So sei das Ziel der Politik, den Güterverkehr auf der Schiene bis 2030 um 25 Prozent zu steigern, nicht realisierbar. 

Entscheidend für einen Ausbau des Schienengüterverkehrs ist Planungssicherheit. Dazu gehört nach Aussage der Referierenden auch, dass Finanzierungen langfristig sichergestellt werden. Laut Nyke Slawik, stellvertretende Vorsitzende des Verkehrsausschusses des Bundestages, könnte hierfür ein Infrastrukturfonds eingerichtet werden, in den auch Einnahmen aus der Straßenmaut fließen. Sie sei “vorsichtig optimistisch”, dass der Fonds in der nächsten Legislaturperiode beschlossen werde.  

Eine weitere wichtige Voraussetzung für den Ausbau des Schienengüterverkehrs ist die Digitalisierung der Schiene. Dadurch könnten zum einen mehr Fahrzeuge eingesetzt werden. Außerdem biete die Digitalisierung auch eine Möglichkeit, Bürokratie abzubauen und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Hier wird eine Digitalisierungsstrategie gefordert mit der überprüft werden kann, welche Förderprogramme funktionieren, welche nicht und welche noch benötigt werden.  

Problematisch ist nach Ansicht der Referierenden, dass die Hürden zur Beantragung der aktuellen Förderprogramme für die Unternehmen sehr hoch sind – ohne externe Berater sei diese aufgrund der Komplexität kaum möglich. Hier müsse dringend nachgebessert werden.  

 

Extremwetter und Fachkräftemangel sind große Herausforderungen   

Am zweiten Tag der Veranstaltung standen Innovationen auf dem Programm. Referierende und Teilnehmende diskutieren, wie sich der Schienengüterverkehr für die zunehmenden Extremwetterereignisse wappnen kann und welche technischen Innovationen die Branche voranbringt.  

Das Merkmal von Extremwetter ist, dass auch wenige Ereignisse große Folgen für die Schieneninfrastruktur haben. Nach Aussage von Dr. Sabrina Michael, Fachbereichsleiterin für Klimaschutz, Umwelt und Nachhaltigkeit beim Deutschen Zentrum für Schienenverkehrsforschung (DZSF) hat z.B. das Ahrtal-Hochwasser von 2021 noch heute Auswirkungen auf den Bahnverkehr in der Eifel.  

Ziel des DZSF ist es, auf Grundlage der gesammelten Daten so genannte Gefahrenhinweiskarten zu erstellen, die eine Überblick über potenziell gefährdete Strecken geben. Zudem soll transparent werden, wie groß die Auswirkungen auf den Verkehr bei der Sperrung bestimmter Strecken in der Folge von Wetterereignissen wären und welche Anpassungsmaßnahmen präventiv erfolgen sollten.  

Auch der Umgang mit dem Fachkräftemangel ist ein Thema der Veranstaltung. Hier können nach Aussage der Referierenden Automation und Kooperation Lösungsansätze sein. Vorgestellt wurde u.a. ein kamerabasiertes Rangiersystem und ein Tool für intelligenten Personalsteuerung, dass dazu beitragen soll, Personal effizienter einzusetzen, um Gütertransporte bezahlbar und zuverlässiger zu machen. Fazit der Referierenden: Ziel müsse sein, den Anteil der klimafreundlichen Schiene im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern zu erhöhen. 

Melanie UnseldLeiterin Kommunikation und Pressesprecherin+49 173 213 67 63melanie.unseld@bme.de
Bianka BlankenbergPressesprecherin+49 6196 5828-108bianka.blankenberg@bme.de